Vertrauensarbeitszeit ist gut und schön, aber auch Vertrauensarbeitszeit erfordert eine Zeiterfassung

Das österreichische Arbeitsrecht kennt den Begriff der Vertrauensarbeitszeit nicht.

Der Begriff Vertrauensarbeitszeit wird oft als Motivation gebraucht. Arbeitgeber wollen ihren Mitarbeitern damit einen Vertrauensvorschuss geben. Aber was ist wirklich unter dem Begriff Vertrauensarbeitszeit zu verstehen? Wenn unter Vertrauensarbeitszeit verstanden wird, dass die betroffenen Mitarbeiter ihre zu erbringenden Leistungen zu jeder beliebigen Zeit und an jedem beliebigen Ort erbringen können, fehlt eine der Grundbedingungen für das Vorliegen eines Dienstverhältnisses. Hier müsste man eher von einem Werksvertrag sprechen. Anstelle eines Dienstnehmers tritt hier der selbständige Unternehmer Die Beschäftigung von selbständigen Unternehmern erfordert daher auch keine Anwendung einer Zeiterfassung. Sobald wir aber von einem echten Dienstverhältnis im Sinne des Österreichischen Arbeits- und Sozialrechtes sprechen muss der Begriff Vertrauensarbeitszeit neu definiert werden.

 Sobald ein Dienstverhältnis vorliegt müssen für die richtige Berechnung der Entgelte und Abgaben Vereinbarungen über das Ausmaß der zu erbringenden Arbeitsstunden pro Tag, Woche oder Monat getroffen werden.  Damit treten wiederum die Bestimmungen des Arbeitszeitgesetzes (AZG) in Kraft. Das AZG sieht allerdings - vor allem in der jüngsten Novelle-  Ausnahmen bestimmter Dienstnehmer vor. Seit 1. September 2018 wird im AZG der Begriff des leitenden Angestellten, der nicht unter die AZG-Bestimmungen fällt neu definiert. In diesem Fall wäre die Verwendung des Begriffs Vertrauensarbeitszeit angebracht. Hier gilt es auch noch Entscheidungen der Höchstgerichte abzuwarten, wie der neue Begriff des leitenden Angestellten in der Praxis zu verstehen ist. Es sei hier nochmals darauf hingewiesen, dass die Nutzung einer Zeiterfassung auch für diese Personengruppe sinnvoll ist. Sowohl für Arbeitgeber und Arbeitnehmer kann der Nachweis der tatsächlich erbrachten Arbeitszeiten im Streitfall nützliche Dienste erweisen (siehe dazu auch: https://www.zeiterfassung-bde.at/arbeitszeitgesetz-macht-den-einsatz-einer-zeiterfassung-notwendiger-denn-je/). Es gilt also: Auch Vertrauensarbeitszeit erfordert eine Zeiterfassung.

Vertrauensarbeitszeit als Synonym für Gleitzeitvereinbarung mit All-In Verträgen

In der Praxis wird unter Vertrauensarbeitszeit eher eine großzügig ausgelegte Version einer Gleitzeitvereinbarung verstanden. Der Begriff Vertrauensarbeitszeit lässt vermuten, dass der Arbeitgeber für die betroffene Personengruppe auf die Nutzung einer Zeiterfassung verzichtet. Dies wird auch häufig durch eine zulässige Vereinbarung eines "All-In-Entgeltes" untermauert. All diese Begriffe können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Österreichische Arbeitsrecht die Aufzeichnungen der Arbeitszeiten zwingend vorsieht. Damit ist nicht nur ein Nutzen für den Arbeitgeber verbunden. In den meisten Streitfällen werden Entscheidungen zugunsten der Arbeitnehmer durch Vorlage der Journale der Zeiterfassung begründet. Nicht zu vergessen ist bei all diesen Überlegungen der Begriff der Abwesenheit Erfassung. Also wann konsumiert ein Mitarbeiter seinen Urlaub, wann ist er im Krankenstand oder auf Dienstwegen, etc. Hier ist der Einsatz einer zeitgemäßen Zeiterfassung unerlässlich. Wie sonst kann objektiv bewertet werden, ob eine Abwesenheit als "Zeitausgleich", Urlaub oder sonstige Zeitart zu bewerten ist.